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4 + 1: vier spannende Abende und ein inspirierender Tag

mit Denkanstößen für die Welt von morgen

Am Dienstag, den 24.11.2020 wird der Kongress mit Keynotes von Kübra Gümüsay und Lamya Kaddor eröffnet. Am Donnerstag freuen wir uns auf den Austausch mit Prof. Dr. Heribert Prantl. Am Freitag sprechen wir mit Prof. Dr. Holger Bonin und am Samstag erwarten wir Prof. Dr. Mojib Latif.

Das Motto des Kongresses „Klimawandel – heute für ein Morgen streiten“ ist aktueller denn je. Der gesellschaftliche und ökologische Klimawandel betrifft uns alle. Welche Herausforderungen kommen (noch) auf uns zu? Was bedeuten verstärkt auftretende Konfliktlinien in der Gesellschaft für die Konfliktbearbeitung? Wie verändern sich unsere Arbeitsgebiete und welche Methoden und Tools finden dann ihren Einsatz?

Wir freuen uns auf die über 30 verschiedenen Inputs und den gemeinsamen Austausch.

Fünf Keynotes ...

Herzstück des Kongresses ...

... sind insgesamt sechs verschiedene Foren.

Begegnen Sie in über 30 Workshops Expert*innen aus einer Vielfalt von Arbeitsgebieten ...

Die oben genannten Foren werden im Verlauf des Kongresses in parallelen Strängen angeboten. Dabei werden die Oberthemen der Foren beibehalten, die inhaltliche und thematische Ausgestaltung aber variiert.

Die Referent*innen sind in der Wahl der Methodik frei. Workshops, Diskussionen, Vorstellung von Best-Practice-Beispielen etc. wechseln sich ab. Aus den bisherigen Kongressgestaltungen wissen wir, dass die Teilnehmenden immer dann besonders profitieren, wenn konkrete Fragestellungen, praxisnahe Diskussionen, unmittelbare Perspektiven der Anwender*innen (gern direkt) und Tools für die Mediation im Vordergrund stehen.

Technische Umsetzung und Hinweis

Die Referent*innen nutzen jeweils ihr eigenes digitales Tool. Alle Links werden nach der Anmeldung zum Kongress in einem internen Bereich freigeschaltet.

Die Anmeldung zum Kongress beinhaltet das Einverständnis, den Workshops mit Klarnamen beizutreten und die Zustimmung zu den jeweiligen Datenschutzbestimmungen des Tool-Anbieters. Eventuell müssen bei einigen Tools Programme heruntergeladen werden.

Zudem ist es möglich, dass Workshops aufgezeichnet werden. In solchen Fällen würde dies von den Referent*innen separat kommuniziert und beim entsprechenden Workshop-Link angezeigt.

Außerdem erklärt der / die Teilnehmende, den Link zum Workshop nur selbst zu benutzen und nicht weiterzugeben.

Dienstag, 24.11.2020

16:30 - 16:45 Uhr Eröffnung des Kongresses durch den Vorstand des Bundesverbandes MEDIATION e.V.

16:45 - 17:30 Uhr - Keynote Kübra Gümüsay

17:45 - 18:45 Uhr - Keynote Lamya Kaddor

Slot 1: 19:00 - 20:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Der Elefant im Raum
Die nicht-markierten Epizentren im Dialog zwischen Kriegskindern und Kriegsenkeln

„Während die ‚große‘ Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert gründlicher erforscht ist als jede andere Epoche, liegt die Historie der eigenen Vorfahren meist verborgen hinter rätselhaften Anekdoten und beredtem Schweigen. Doch in Träumen, Anekdoten, Ängsten und Zwängen drängt etwas, das über Jahrzehnte verschwiegen worden ist, danach, endlich zur Sprache zu kommen. Hören wir zu.“  (aus: Matthias Lohre: Das Erbe der Kriegsenkel. Was das Schweigen der Eltern mit uns macht.)

Es wird still in der Generation der 1930-1945 Geborenen. Sie waren es, die den Zweiten Weltkrieg in ihrer Kindheit und frühen Jugend noch erlebt haben und letzte Zeugnisse jenseits der Geschichtsbücher über diese Zeit ablegen können. Das Phänomen „Krieg“ hat ihr Denken und Handeln oftmals tiefer und nachhaltiger geprägt, als sie es wahrhaben wollten. Sei es, dass sie sich auf die „Gnade der späten Geburt“ oder auf ihre Prägung in den Nachkriegsjahren beriefen, der „Krieg“ blieb in ihrem Denken und Sprechen oftmals eigentümlich ausgespart und die Auswirkungen auf Erziehung und Verhaltensmuster der nachfolgenden Generationen wurden nicht erkannt. Und so ist es kein Wunder, dass nicht sie selbst, sondern erst ihre eigenen Kinder für diese Generation den Namen „Kriegskinder“ gefunden haben.

Der Dialog der „Kriegskinder“ mit ihren eigenen Kindern, den „Kriegsenkeln“ (der zwischen 1950 und 1975 Geborenen) ist denn auch bestimmt von Unausgesprochenem, das man selbst vergessen oder in bester Absicht den eigenen Kindern „ersparen“ wollte. Die Weitergabe kriegsbedingter Belastungen von der Generation der Kriegskinder an die Kriegsenkel und deren Kinder kann eine wichtige Rolle in Mediationen besonders bei Konflikten zwischen Eltern aus der Kriegskindergeneration und deren Kindern wie auch den Geschwistern untereinander spielen. Die Folgen verdrängter Kriegstraumata, vom Vergessen-Müssen und von Heimatverlust sind angesichts der vielen Menschen mit Fluchthintergrund, die in Deutschland leben, von großer Aktualität.

Dieser Grenzgang zwischen Gesagtem und Nicht-Gesagten ist eine paradigmatische Mediationskonstellation.

Das Forum beginnt mit Impulsvorträgen der Expertinnen und Experten.

REFERIERENDE

Matthias Lohre, Journalist und Autor

Tatjana Petersen, Mediatorin und Ausbilderin BM®, Mediation und Kommunikation für Unternehmen und Privatpersonen, Mediatorin und Ausbilderin BM. Frau Petersen leitet die Berliner Kriegsenkelgruppe und befasst sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Kriegsenkel in der Mediation.

Thomas Avenhaus verfügt über eine langjährige Erfahrung als Kreativdirektor in verschiedenen Agenturen und befasst sich intensiv mit Ansätzen der integrativen Poesie- und Bibliotherapie zum Kreativen Schreiben, die gerade auch dazu dienen, bislang Ungesagtes hervorzubringen.

Moderation: Dr. Ursula Maria Egyptien Gad, Mediatorin BM®, Leiterin des Bildungs- und Forschungsmarketing im DAAD.

Es geht bei der Veranstaltung um einen Erfahrungsaustausch, eine Reflexion der Auswirkungen der Erfahrungen unserer Eltern-/Großeltern auf unser eigenes Handeln sowie die Erarbeitung/Bereitstellung eines Instrumentariums für die mediative Arbeit mit Kriegskindern und Kriegsenkeln.

 

WARM DATA LAB - "People need people online"

"Was bedeutet Wohlergehen in unserer sich verändernden Welt" - Zu dieser Frage gehen jeweils drei bis vier Personen in Beziehung zueinander und berücksichtigen dabei verschiedene Kontexte, z.B Ökologie/Geschichte/Bildung oder Recht/Familie/Ökonomie oder Religion/Technik/Identität. Im digitalen Lab werden zunächst alle gemeinsam empfangen und in einen vertrauensvollen transkontextuellen Dialog eingestimmt. Die Teilnehmer*innen und Gastgeber*innen treffen sich dann geleitet vom Technik-Host in den verschiedenen Kontexten alle 20 Minuten neu und werden als Abrundung gemeinsam zu einer Symmathesy im Hauptraum versammelt - inspiriert von Nora Bateson

 

REFERENTIN

Regine Lang

Global Ombudsoffice SAP – Konfliktmanagement in einem internationalen Konzern

    • Wie sind wir aufgestellt, was ist unser „Service“-Portfolio

    • Was sind unsere Erfahrungen

    • Wie wollen wir uns weiterentwickeln

    • Dialog – was machen andere / wo können wir voneinander lernen?

 

REFERENT

Carsten Pöschl

„Wie ticken die eigentlich?“ Fallstricke beim Ausbau erneurbarer Energien vermeiden

Beim Ausbau erneuerbarer Energien sind eine Vielzahl von Akteuren beteiligt. Naturschutzverbände, Verwaltung und Projektierer sind drei dieser Beteiligten. Die einzelnen Akteure unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise (Beispiel Ehrenamt, Hauptamt). Ein Verständnis der verschiedenen Strukturen und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für das Projekt und die bestehenden Konflikte hilft, Fallstricke im Umgang miteinander zu vermeiden.

Ziel

Am Beispiel verschiedener Akteure beim Bau einer Windkraftanlage werden die Besonderheiten einer Konfliktberatung bzw. Mediation im Konfliktfeld Naturschutz und Energiewende dargestellt und diskutiert

Inhalte

Der Ausbau der erneuerbaren Energien zieht stets Veränderungen in Natur, Landschaften und Ökosystemen und darüber hinaus mitunter in der Umwelt des Menschen nach sich. Die beteiligten Akteure sind vielfältig und von unterschiedlichen Interessen geleitet: Verwaltungen, Behörden, Bürger*innen, Naturschutzorganisationen, Betreiber*innen sowie Planer und Projektierer. Viele Menschen und mitunter komplexe Sachverhalte bestimmen die Diskussion.

Konflikte mit dem Naturschutz entstehen oft durch mangelnde oder falsche Informationen, umstrittene Gutachten, unzureichende Kommunikation oder Beteiligung. Eskalierende Konflikte und langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen sind nicht selten die Folge.

Drei Mediator*innen des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende blicken aus drei verschiedenen Perspektiven auf Konflikte beim Ausbau von Windkraftanlagen. Anhand persönlicher Schilderungen werden die unterschiedlichen Sachzwänge der drei Akteure (Naturschutzverband, Verwaltung, Projektierer) deutlich. Es wird beispielsweise erläutert, wie Entscheidungen in einem Verband zustande kommen, in welchem Rahmen Verwaltungshandeln stattfindet und welche Möglichkeiten Projektierer haben.

Außerdem bietet der Workshop Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion beispielsweise darüber, wie Strukturen, politische Vorgaben oder wirtschaftliche Zwänge Einfluss auf eine Mediation nehmen können.

Arbeitsmethoden

drei Inputs aus drei verschiedenen Perspektiven: Naturschutzverband (Claudia Bielfeldt), Untere Naturschutzbehörde (Susanne Keil-Werner), Projektmanagement im Energiesektor (Marc Blenner)

anschließend strukturierte Diskussion

 

REFERIERENDE

Dr. Claudia Bielfeldt,

Marc Blenner

Was ist anders bei Elder Mediation, wo liegen die Unterschiede zur Familien- oder Wirtschaftsmediation? Welche gesellschaftliche Relevanz hat dieses Mediationsfeld?

 

„Alternsmeisterung“ – Herausforderung für die Zukunft

Wann beginnt das „Alt sein“ in einer Gesellschaft mit einem Anteil von 30 % über 60 jährigen und einer Lebensarbeitszeit bis zum 67. Lebensjahr und darüber hinaus?

Wie wird von der Generation der Babyboomer eine Lebensphase gemeistert, in der alles möglich erscheint und die doch zeitlich begrenzt ist?

Wie zwischen Berufstätigkeit, Versorgung eigener Kinder und Pflege der Eltern die Balance halten?

Wieso mit der Nachfolgeregelung im Betrieb auseinander setzen, wenn die Lebenserwartung doch so viel länger ist?

Elder Mediation geht hier den Weg der Prävention.

 

Elder Mediation  - verblüffend einfach, wenn alle BETEILIGTEN an einen Tisch kommen

Was motiviert Menschen in Konfliktsituationen, bei denen „das Alter“ das Thema ist, an einen Tisch zu kommen?

Wer fragt potentiell EM nach?

Was brauchen MediatorInnen in diesem Feld?

 

REFERIERENDE

Vera Müller, Mediatorin BM® in München, Dipl.-Kaufmann Univ.  interessiert sich seit ihrer Diplomarbeit über Unternehmensnachfolge für Generationenfragen

Signe Stein, Gesundheitswissenschaftlerin, Mediatorin BM®, Coach, Supervisorin, Moderatorin in Berlin

Georg Koik, Mediator BM® in Frankfurt am Main, Coach und Moderator, ist als Mediator aktiv im Verein Leben mit Demenz e.V.

 

Mittwoch, 25.11.2020

16.45 Uhr Begrüßung

Slot 1: 17:00 - 18:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Allparteilich und empathisch angesichts des politischen Klimawandels?

Impulsvortrag und Workshop zur Aktivierung mediativer Kräfte und Haltung

Gesellschaftliche Gruppierungen sind Systemteile in Wechselbeziehung. Wir Mediator*innen sind selbst Teile des Systems, die eigenen Prägungen behindern uns empathisch und allparteilich zu bleiben.

Voraussetzung uns konstruktiv in abbrechende gesellschaftliche Dialoge einzuschalten erfordert eine Konfrontation mit den eigenen Prägungen und Gefühlen.

Wie kommt der politische Klimawandel, der „Rechtsruck“ zu Stande?
Welche Modelle aus der Kommunikation und Mediation können hier zur Erklärung und zur Lösung zu Rate gezogen werden? Was können wir Mediator*innen unmittelbar tun?

Ziel ist die Erkenntnis eigener Gefühle und Prägungen in Bezug Flüchtlingsproblematik und Rechtsruck und daran anschließend ein Austausch und Verabredungen zu konkret möglichen Handlungen.

Das Format benötigt 1,5-2 Stunden, gegliedert in einen ca. 15 minütigen Impulsvortrag, 10 minutigen Austausch hierzu, eine 30-minütige Kleingruppenübung, einen Erfahrungsaustausch und eine Ideensammlung/Verabredung. Ich stelle mir eine Gruppe von maximal 30 Personen vor, eine Kollegin würde mich ggf. unterstützen.

Inhalt
Die Bedrohungen im Aussen – Klimawandel, Zuzug geflüchteter Menschen, Kriege - erzeugen Angst. Angst erzeugt Enge, ein „Dichtmachen“. Gleichzeitig fühlen wir uns als Deutsche unter Vorlage unserer Vergangenheit schuldig und besonders verantwortlich gerade für Menschen auf der Flucht vor menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Dies veranlasst andere gesellschaftliche Akteur*innen, geflüchtete Menschen einzuladen.

Reflektions-Übung

Wie wir wissen, erzeugen Positionen Gegenpositionen. Zunächst gilt es gerade für uns Mediator*innen zu versuchen, wertungsfrei und allparteilich jede der Postitionen zu verstehen und die unter der Wasseroberfläche liegenden Gefühle, Befürchtungen, Hoffnungen, Ängste und Bedürfnisse herauszustellen (Eisberg). Wir sind alle Teil dieser Gesellschaft und Teil des Systems. Wir bringen eigene Prägungen und Gefühle in diesen Prozess mit ein. Um uns besser allparteilich einbringen zu können, braucht es ein Bewusstsein der eigenen Prägungen.

Anhand einer Übung reflektieren wir die eigenen Gedanken, Prägungen, Gefühle und Bedürfnisse und tauschen uns dazu aus.

Was können wir Mediator*innen tun?

Auf den Erkenntnissen aufbauend überlegen wir gemeinsam, wie wir konkret in unserem Alltag und darüber hinaus agieren können.
Gemeinsam sammeln wir Lösungsansätze im Plenum.

Insbesondere braucht es nach meiner Überzeugung sichere Räume für vertrauensvollen Austausch von Mensch zu Mensch, Individuum zu Individuum, ohne Zuordnung zu gesellschaftlichen Gruppierungen. Zum Tag der Mediation hierfür bundesweit Dialogräume zu öffnen könnte eine gemeinsame Initiative sein. 

 

REFERENT

Sebastian Zukunft, berät und begleitet als Zukunftspartner® seit 16 Jahren Unternehmen, Unternehmer*innen und Paare in herausfordernden Situationen und Lebenslagen. Er ist zertifizierter Mediator (BM), Ausbilder für Mediation (BM), Coach und Trainer

www.zukunftspartner.de

Achtsamkeit schafft Raum

Achtsamkeit schafft Raum für Lösungen

Theoretische kurze Einführung

Arbeiten mit Meditation vor, in und nach der Mediation

Kurze geführte Meditation, Rollenspiel

 

Eine detaillierte Workshopbeschreibung erfolgt in Kürze

REFERENTIN

Martina Wurl

CrossGenerational Mediation – Generationenkonflikte als Chance

Generationenvielfalt ist nicht nur Realität und Herausforderung, sondern auch Chance für Unternehmen, und frühzeitig erkannte Generationenkonflikte geben wertvolle Hinweise für Veränderungsbedarf im Rahmen einer konstruktiven Konfliktkultur im Unternehmen.

A. Einführung zu Generationen
Definition Generationenvielfalt als Realität, Herausforderung, Chance
Bedeutung für Unternehmen Relevanz für Mediation

B. Workshop und Vernissage: fünf Generationen stellen sich vor

C. Rundgang und (Selbst-)reflexion: Zuschreibungen und Vorurteile

D. Teamaufgabe: Generationenvielfalt und Mediation

E. Abschluss  

 

REFERENTIN

Dr. Isabell Lütkehaus arbeitet als Mediatorin (BM), Supervisorin und Coach (DGSv) mit Geschäftsführern, Vorständen, Gesellschaftern, Familien und Teams. Im Mai 2020 erschien im Haufe Verlag “Cross Generational Intelligence” über die Zusammenarbeit der Generationen im Unternehmen. www.luetkehaus.berlin

 

Best Practices

Viele Mediator*innen haben sich in Zeiten der Kontaktsperre erstmals mit Online-Mediation beschäftigt und sind von den Möglichkeiten positiv überrascht. Der Workshop stellt Erfolgsfaktoren für die praktische Umsetzung vor und gibt Gelegenheit zur eigenen Erprobung.

Online-Sitzungen sind in hohem Grad nachhaltig: die Vorteile für unsere Umwelt – Einsparung von Reisetätigkeit und somit CO2-Ausstoß – und andere Ressourcen – Einsparung von Zeit und Kosten – liegen auf der Hand. Dass wir durch Online-Kommunikation in Zeiten von Kontaktbeschränkungen auch Gesundheitsrisiken minimieren und die Durchführung von Mediation überhaupt erst möglich machen, ist vielen erst durch die Corona-Pandemie bewusst geworden.
Galten noch vor Kurzem insbesondere die technischen Unwägbarkeiten als Hemmschuh für Online Mediation, haben sich diese Bedenken durch neue Tools und vereinfachter Zugang weitestgehend zerstreut. Jetzt wo der Zugang kein Problem mehr ist, wird aber vielen klar: mit dem Einloggen ist es nicht getan, auch die Durchführung des Mediationsverfahrens im virtuellen Raum will gelernt sein. Der Workshop richtet sich an Personen, die noch keine oder nur wenig Erfahrung mit Online-Mediation haben und sich in geschützter Atmosphäre in betreuten Kleingruppen auszuprobieren möchten.
Die FG Online Mediation bringt ihren Erfahrungsschatz in Hinblick auf Erfolgsfaktoren für Online-Mediation ein und demonstriert in einem Rollenspiel Umsetzungsmöglichkeiten.

Anne Rickert studierte European Cultural Studies und war als Wissenschaftlerin, E-Learning Referentin und Kommunikationsberaterin tätig. Sie ist zertifizierte Mediatorin (BM) und arbeitet seit 15 Jahren als Online-Trainerin/-Moderatorin. Seit 2019 leitet sie das Institut Online Mediation (www.iom-rickert.de) und die FG Online-Mediation im BM.

Thomas Robrecht geschäftsführender Gesellschafter der Beratergruppe SOKRATeam, seit über 20 Jahren Führungskräfte- und Personalententwickler, Mediator und Ausbilder BM®, lizensierter KODE®-Berater und teamfixx® Supervisor, Autor zahlreicher Bücher zu Führung und Beratung, fördert die Professionalisierung von Mediation www.profimediation.info

 

REFERIERENDE

Anne Rickert

Thomas Robrecht

 

Mit einem Konfliktmanagementsystem die Schule stärken

Erste Wirtschaftsunternehmen haben ein Konfliktmanagementsystem.
Nun wird es Zeit, dass auch Schulen sich auf den Weg machen.

Die meisten Schulen klagen über eine hohe Anzahl von Konflikten. Dabei steht die Ebene der Schüler*innen im Vordergrund und das große Zeitpaket, das für die Bearbeitung der Konflikte notwendig ist. Konflikte auf der Erwachsenenebene werden meist gar nicht erwähnt.

Ein gut funktionierendes und auf die Schule abgestimmtes Konfliktmanagementsystem (KMS) ist die Lösung für einen konstruktiven und dadurch auch entspannten Umgang mit Konflikten. Dadurch begeben sich Schulen auf den Weg zu einer demokratischen Einrichtung und verändern gleichzeitig das innerschulische Klima.

Dieser Workshop erläutert die möglichen Bausteine eines Konfliktmanagementsystems für den Schulkontext, bindet die Erfahrungen der Teilnehmenden ein und will Empfehlungen für ein Konfliktmanagementsystem in Schule diskutieren und vorbereiten. 

 

REFERIERENDE

Dr. Christa D. Schäfer arbeitet als Mediatorin, Mediationsausbilderin BM und Supervisorin hauptsächlich im Bereich von Erziehung und Bildung sowie in der demokratischen Schulentwicklung. Sie führt seit Anfang 2020 die Ausbildung zur Schulmediation online durch und ist als Autorin verschiedener Fachbücher erfolgreich etabliert. Mehr unter: www.ChSchaefer.de und www.mediationsausbildung-online.de

Tobias Kill arbeitet als Mediator und Trainer im Schwerpunkt mit Schulen zu den Themen Demokratiepädagogik und 3D-Schulentwicklung (Demokratisch, Diversitätssensibel und Diskriminierungskritisch)

Slot 2: 19:00 - 20:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Wertschätzen und Ablehnen
Wie wir Position beziehen ohne unsere Werte zu verlieren

„Die Big Five der Konfliktbearbeitung.“, das im Frühjahr 2020 erscheinen wird. Hrsg. Birgit Keydel. Co-Autorinnen: Mary Carroll, Yvonne Hofstetter, Jutta Hohmann, Doris Morawe

Wir schützen unserer Werte und machen sie praxistauglich, in dem wir das Gegenteil derselben mitdenken.

Dies wird am Wert der Mediation „Wertschätzung“ expliziert, der nur funktioniert, wenn wir die „Ablehnung“ (oder „Ausgrenzung“) mit thematisieren.

Es tangiert zentrale aktuelle Themen genauso wie unsere Mediationsarbeit im Konkreten.

Es geht um eine bewahren der Handlungsfähigkeit und zugleich u.a. auch um die Frage der Grenzen der Mediation.

 

REFERENTIN

Dr. Birgit Keydel

Digitalisierung – Herausforderung & Chance

Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt und Wirtschaft grundlegend verändert. Die Pandemie hat die Digitalisierung von immer mehr Lebens- und Arbeitsbereichen nochmals beschleunigt. Zugleich erleben viele Betroffene, dass in digitalen Transformationsprozessen Störungen und Konflikte auftreten, mit denen sie zuvor nicht gerechnet haben. Das Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Organisationskulturen, die unerwartete Interessensvielfalt und wie darüber verhandelt wird, können einen Transformations- und Innovationsprozess deutlich verlangsamen oder gar ganz stoppen.

Als Verantwortliche in Organisationen und Mediator*innen finden Sie hier eine Plattform für den Austausch. Gemeinsam beleuchten wir Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung. Aus erster Hand erfahren Sie, worauf Sie achten sollten, wenn Sie in einer Organisation eine digitale Transformation durchführen. Sie nehmen wertvolle Impulse für Ihre eigene Arbeit mit. Und natürlich haben Sie auch Gelegenheit zum Netzwerken.

Unsere Fragen:

  • Welche Herausforderungen und Konflikte entstehen bei digitalen Veränderungsprozessen in Unternehmen?
  • Welchen Beitrag können Konfliktlösungs-Kompetenzen leisten, diese zu meistern?

 

REFERIERENDE

Petra Hövelborn, Anja Kirchner – Fachgruppe Mediation in Organisationen/Wirtschaftsmediation des Bundesverbandes Mediation

Markus Rall, CEO viality AG / DIVR e.V. (Institut für Virtuelle Realität). Er wurde 2020 mit dem 1. Preis des „Auf IT gebaut“-Awards ausgezeichnet, bietet Virtual und Augmented Reality und gibt auf Basis seiner praktischen Arbeit einen Einblick in die Dimension digitaler Veränderung.

Kernthese: Nicht um unsere Erde sondern um uns Menschen mache ich mir Sorgen.

Kurzfassung
Der Klimawandel wird mit Sicherheit eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte sein. Unsere Bereitschaft gegenzusteuern, ist noch immer sehr halbherzig. Klimaleugner argumentieren gerne mit Sätzen wie: Das Klima hat sich schon immer geändert, und es gab schon viel wärmere Zeiten als heute. Beides ist unstrittig richtig, vernachlässigt aber die Geschwindigkeit der heutigen Veränderungen. Die völlig anderen Rahmenbedingungen eines viel wärmern Klimas werden vor allem für uns Menschen zu enormen Problemen führen. Hier soll gezeigt werden, was wir über das Klima der Vergangenheit wissen und was wir daraus für die Zukunft lernen können.

 

REFERENT

Prof. Wolfgang Oschmann studierte Geologie an der Universität in München. Nach Aufenthalten an verschiedenen Universitäten wurde er 1993 an die Universität Tübingen und 1998 an Universität Frankfurt berufen. Forschungsschwerpunkte sind die Rekonstruktion von fossilen Ökosystemen und Klimaverhältnissen.

Kollegiales Coaching - Rückenstärkung für Mediator*innen

Mit Hilfe einer guten Methode kann man viel voneinander lernen und das kostet noch nicht einmal etwas.

Kollegiales Coaching bedeutet: Fachleute setzten sich zusammen, um sich intensiv auszutauschen, einander zu inspirieren und durch kollegiale Unterstützung aktuelle Herausforderungen eleganter zu meistern. Wenn Mediator*innen das tun, kann es dabei um knifflige Fälle gehen oder um Fragen des Selbstmanagements als Berater*in. Es ist sozusagen Coaching ohne Coach - ein methodengestützter Weg professioneller Selbsthilfe, raus aus der Einsamkeit der Berater*innen-Rolle hin zu einer eigenen Qualitätsentwicklung, die effizient ist und Spaß macht und zudem nichts kostet außer Zeit.

Ich vermittle ein von mir entwickeltes Modell kollegialer Beratung, das Elemente aus TZI, Psychodrama und lösungsorientierter systemischer Beratung kombiniert. Eine stringente Sitzungsstruktur und erprobte Spielregeln sorgen dafür, dass das Potenzial der Gruppe zur Wirkung kommt: Offenheit ohne Ausufern, konstruktive Kritik ohne Dreinreden, Anregung ohne Besserwisserei. Der respektvolle Blick über den eigenen Tellerrand wirkt inspirierend - Kompetenz ist ansteckend! 

 

REFERENTIN

Brigitte Heidebrecht, Mediatorin, Supervisorin, Coach, Autorin

www.brigitteheidebrecht.de

17:00 - 20:45 Uhr Planspiel "Klimakonferenz" (Achtung: feste Anmeldung bis 13.11.2020 nötig)

Planspiel Just Transition
Um die notwendige radikale Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase entscheidend voranzutreiben, ist eine fundamentale Transformation der Wirtschaft von Nöten. Diese sozial gerecht zu gestalten, stellt eine der großen Herausforderungen für die nähere Zukunft dar. Diese sog. „Just Transition“ ist Thema des Planspiels, das in einem fiktiven Industrieland angesiedelt ist. Dabei liegt der Fokus auf drei Wirtschaftsbereichen, die besonders stark zum Klimawandel beitragen: Energiewirtschaft, Automobilindustrie (und damit der Verkehrssektor) und Landwirtschaft.
Die Teilnehmenden erleben in mehreren Spielrunden, wie sich unterschiedliche klimapolitische Maßnahmen und Sozialpolitiken auf die Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen und die allgemeine Lage im Land auswirken und welche Herausforderungen mit einem gerechten Wandel einhergehen.

Es ist eine verbindliche Anmeldung von mind. 20 Teilnehmer*innen bis spätest. 13. November 2020 erforderlich (E-Mail an heike.paehler @ bmev.de). Falls diese Zahl bis zum Termin nicht erreicht ist, muss das Planspiel leider abgesagt werden. Wichtig: Die Teilnehmer*innen können während des Spiels nicht in andere Workshops wechseln, da feste Rollen vergeben werden.

Durchführung des Spiels: Planpolitik GbR, Berlin, www.planpolitik.de

 

Donnerstag, 26.11.2020

16.45 Uhr Begrüßung

Slot 1: 17:00 - 18:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Kommunales Konfliktmanagement fördern – Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten

Einwanderung und Integration sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen der nächsten Jahre. Das Integrationsparadox nach Prof. Al Mafalaani besagt, dass gelungene Integration das Konfliktpotential steigert. Ausgehend von der These, dass nicht der Konflikt das Problem ist, sondern die Art und Weise des Umgangs, stehen Kommunen und Kreise vor der Herausforderung, die mit Zuwanderung und Integration verbundenen Konflikte frühzeitig zu erkennen, niedrigschwellig zu bearbeiten und die darin enthaltenen konstruktiven Themen für
Veränderungsprozesse zu nutzen.

Das von der Stiftung Mercator geförderte Projekt "Kommunales Konfliktmanagement fördern - Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten" - ist eine Initiative des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Landesweiten Koordinierungsstelle (LaKI).

Konzeptentwicklung, Ausbildung der kommunalen Mitarbeitenden und Begleitung der Kommunen beim Aufbau des Kommunalen Konfliktmanagementsystems lagen bei Dorothea und Kurt Faller.

An dem Projekt haben 16 Kommunen teilgenommen und individuelle Konfliktmanagementsysteme für ihre jeweilige Kommune / Kreis entwickelt. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird im Juli 2020 abgeschlossen. Ein Handbuch dazu erschien Ende März 2020.

Das Projekt zeigt, wie der Aufbau von Strukturen und Abläufen zur Konflikterkennung, -bearbeitung und -prävention Integrationsprozesse gezielt unterstützt. Ein weiterer Aspekt des Konfliktmanagementsystems ist die Entwicklung von Präventionsplänen für unerwartete Extremereignisse wie in Köln, Kandel, Chemnitz, Freiburg und Frankfurt, um überlegt und planvoll zu reagieren und damit gesellschaftlichen Spaltungstendenzen entgegen zu wirken.

Im Workshop wird das Projekt vorgestellt, möglicherweise kann auch ein Vertreter einer Kommune mitkommen. Anschließend Diskussion mit den Teilnehmenden.

 

REFERENT

Kurt Faller, Lehrmediator BMWA®, Coach und Organisationsberater, Systemdesigner
Geschäftsführender Gesellschafter der Medius GmbH, Konfliktmanagement und Organisationsberatung Münster

Kurt Faller lebt und arbeitet als selbstständiger Mediator, Organisationsberater und Konfliktmanagement-Systemdesigner in Münster.

Schwerpunkt seiner Arbeit ist die systemische Konfliktbearbeitung in Unternehmen und Organisationen. Dazu gehören Mediationen in Unternehmen, insbesondere im Führungsbereich und die Kommunikation auf verschiedenen ebenso wie Teamkonfliktmoderationen, schwierige oder gescheiterte Organisationsentwicklungs- oder Veränderungsprozesse, Konfliktcoaching von Führungskräften und Qualifizierung von Fach- und Führungspersonal.
Besondere Erfahrungen hat er darin, interne Konfliktmanagementsysteme in Unternehmen, Verwaltung, Verbänden und sozialen Institutionen zu entwickeln. Ein weiteres Feld ist der Einsatz von Konfliktmanagement als Baustein von Change-Management in Veränderungsprozessen.
Er ist Initiator und Studienleiter des Projektes „Kommunales Konfliktmanagement fördern: Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten“ an der Akademie der Ruhr Universität Bochum, ein Projekt der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) NRW in Kooperation mit dem Ministerium MKFFI und der Stiftung Mercator.  

Eine lange Kooperation mit der Grundig Akademie, wo er die Ausbildung Systemdesign leitet.
Er arbeitet als Dozent an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Aus meiner Sicht herrscht eine signifikante Diskrepanz zwischen der Idee der Mediation und dem, was in unserer Gesellschaft allgemein bekannt und grundsätzlich gelebt wird.
Damit die Idee der Mediation als praktikabel erfahren werden kann, brauchen wir eine plakative und alltagsnahe Form, Menschen aller Altersstufen verständlich zu vermitteln, was Mediation ist, will und kann.

Wir starten mit einem Streit-Beispiel, um folgende zwei Thesen zu bearbeiten:

1.)
Bei den klassischen Konfliktlösungsstrategien, die in unserer Gesellschaft verbreitet sind, fehlt leider in der Regel die Idee der Mediation. Dies wird mit einer Zuteilung der Strategien auf die Farben ROT-GELB-GRÜN besonders deutlich.
In diesem Zusammenhang widmen wir uns einer Theorie zu Gerechtigkeit, dem Kompromiss und wie wir mit der Idee der Mediation sogar zahlreiche Lösungen finden können, die über den Kompromiss hinaus gehen. Dies können wir mit den Farben ROT-GELB-GRÜN an Menschen aller Altersstufen vermitteln und somit unser gesellschaftliches Klima für alle positiver gestalten.

2.)
Zudem basieren die meisten dieser klassischen Konfliktlösungsstrategien auf einer bestimmten Haltung, die jedoch der Idee der Mediation widerspricht.
Als mögliche Ursache könnten konkrete Dinge unseres Alltags wie die meisten unserer Gesellschaftsspiele etc. leider genau diese Haltung fördern. Auch dies wird mit einer Zuteilung der Spiele auf die Farben ROT-GELB-GRÜN besonders deutlich. Damit uns auch die Haltung der Mediation vertraut wird und sie in unseren Alltag übergehen kann, brauchen wir mehr GRÜNE Bei-Spiele etc. - diese lernen wir im Workshop kennen, um unser gesellschaftliches Klima zu fördern.


REFERENTIN

Gesine Otto, Wien/Mainz
Diplom-Sozialpädagogin, Mediatorin (seit 1999)
Moderatorin für Systemisches Konsensieren (seit 2016)
Mediationskonzept: „Fairness in ROT-GELB-GRÜN“ (Start 2000)
Arbeit mit allen Altersstufen, auch gleichzeitig
www.kommstruktiv.de

Synergien Mediation und technisches Problem-Solving Verfahren am Beispiel quantitativer Entscheidungsanalyse

Einsatz von quantitativen Entscheidungsverfahren in der Mediation bei rollenbasierten Konflikten

In der Wirtschaftsmediation, also der Mediation zwischen Vertretern von Organisationen oder Gruppen ist der Ursprung der Konflikte die in der Rolle der Konfliktparteien definierten Werte, Ziele und Erwartungen. Diese Rollen sind durch die rollendefinierenden Organisationen gewollt konfliktgeladen angelegt. Die Konfliktparteien sind normalerweise einer Organisation bzw. Kontrollinstanz Rechenschaft schuldig und in den meisten Fällen hierarchisch unterstellt. Die auftretenden Konflikttypen werden in einem persönlichen und einem rollenbasierten Konflikt unterscheiden.

Die Vertraulichkeitsvereinbarung der Mediation kann für die Rolleninhaber nach erfolgreichen Vereinbarungen hinderlich sein, wenn die ihn einsetzende Organisation eine Begründung für die Annahme der Vereinbarungen einfordert. Ein möglicher Lösungsansatz dieses Problems könnte ein quantitatives Entscheidungsverfahren sein, das angelehnt an das quantitative Verfahren der Entscheidungsfindung im technischen Umfeld, der sogenannten Kepner-Tregoe Entscheidungsanalyse für die Mediation angewendet wird. Die Kepner-Tregoe Entscheidungsanalyse ist ein technisches Verfahren das nachweisbar mit einem rationalen Anspruch über quantitative Methoden die beste verfügbare Lösung auszuwählen vermag. Es werden die unterschiedlichen Ebenen des rollenbasierten und persönlichen Konfliktes verdeutlicht und die Anwendung der quantitative Entscheidungsfindung anhand eines Beispiels erläutert. Die Nutzung der quantitativen Entscheidungsanalyse kann die Methode der Mediation in der Wirtschaftsmediation anreichern. Beide Konfliktparteien können eine voll transparente Entscheidungsbeurteilung darstellen, auch für nicht direkt an der Mediation Beteiligte und auch an die Auftragsorganisation oder Gruppe. Einzelne Schritte können zur Ergebnissicherung mit Interaktion der Konfliktparteien und ihren Auftraggebern durchgeführt werden. Die Konfliktparteien können sich in Rücksprachen mit der auftragenden Organisation oder Gruppe außerhalb der Mediation das Mandat für die Verhandlung sichern. Es wird eine mathematische Win-Win-Funktion hergeleitet mit der die Konfliktparteien exakt und nachvollziehbar die Alternativen bewerten können. Mit einem quantifizierten Win-Win-Diagramm vor Augen ist es wahrscheinlich, dass sich die Konfliktparteien gemeinsam auf Lösungsalternativen einigen können.

 

REFERENT

Dr. Marc Neufeld

„Es brennt doch an jeder Ecke!“
Einführung eines Konfliktlotsensystems an einem Krankenhaus der Maximalversorgung (5500 Mitarbeiter*innen aus 52 Nationen)

Veränderung der Konfliktkultur eines Unternehmens durch die Implementierung von Konfliktlots*innen: Grenzen und Potentiale

Ziel meines Beitrages ist es, von meinen Erfahrungen als Mediatorin bei der Einführung eines Konfliktlotsensystems (seit 2012) in einem Krankenhaus zu berichten und die Grenzen und Möglichkeiten der Arbeit der Konfliktlots*innen im Alltag aufzuzeigen.

Im Vortrag berichte ich zunächst über die Vorgehensweise, die Unternehmensleitung von dem Vorhaben zu überzeugen, stelle das Ausbildungskonzept vor und berichte über die notwendigen Rahmenbedingungen. Es erfolgt ein Rückblick über die Arbeit der Konfliktlots*innen in den letzten Jahren. Im Gespräch möchte ich nach einer Frage- und Gesprächsrunde mit den Teilnehmer*innen die Chancen und Grenzen eines Konfliktlotsensystems erörtern. Im Anschluss möchte ich die Frage bearbeiten, ob das Systems der Konfliktlotsen die Konfliktkultur in einem Unternehmen nachhaltig verbessern kann oder andere Formen der Konfliktbearbeitung mit einem niederschwelligen Angebot sinnvoller sein könnten.

 

REFERENTIN

Hildegard Schwering

Vorstellung School on Green Business & Sustainability...

Interdisziplinär, International und Hochschulübergreifend: Die Summer School on Green Business & Sustainability in NRW

Die zukünftigen Generationen brauchen eine School on Green Business & Sustainability um vernetzt, effizient und zügig die einen Green Deal voranzukommen.

Um unserer Generation und unseren Kindern einen intakten Lebensraum auf unserem Planeten erhalten zu können, ist es besonders wichtig, die seit jeher enge Verbindung von Ökonomie und Ökologie weiter zu vertiefen und sie im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit neu zu gestalten.

Daher widmet sich die School on Green Business & Sustainability diesen Schnittstellen zwischen Ökologie und Ökonomie, eröffnet den Teilnehmer*innen transdisziplinäre Perspektiven, präsentiert aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft, Design, Kommunikation und Wirtschaft und regt zu interdisziplinärem und internationalem Diskurs sowie Vernetzung zwischen Theorie und Praxis an.

Nach erfolgreicher Pilotierung der NRW Winter School on Green Business & Sustainability im Jahre 2019 werden die School-Initiatoren, die Folkwang Universität der Künste, das Wuppertal Institut, die Universität zu Köln, die Hochschule Bochum, die University of Applied Sciences Europe, die Universität Duisburg-Essen, die ecosign/Akademie für Gestaltung und das Umweltministerium NRW im Jahr 2020 eine zweiwöchige Summer School on Green Business & Sustainability für Studierende aller Fachrichtungen und Nationalitäten veranstalten.

Das Kooperationkonzept der School ist in seiner Art einzigartig und zeigt die besondere inhaltliche Bedeutung des behandelten Themenkomplexes: Green Business und Sustainability als maßgebliche Faktoren für den Klimaschutz und die Erhaltung der Lebensräume auf der Erde.

Mit einem Vorlauf von 12 Monaten konnte die hochschulübergreifende Zusammenarbeit in mehreren Workshops ausgestaltet und vereinbart werden. Hierbei kamen Methoden der Mediation und des Innovations- und Changemanagements, der Theory U und Presencing zur Anwendung.

Die gemachten Erfahrungen sollen in einem Workshop im Forum 1: Ökologie, Umwelt, Nachhaltigkeit, Forum 4: Erziehung, Bildung, Schule und Studium oder Forum 6: Best Practice dargestellt, diskutiert und selbstentwickelt werden.

Die Darstellung der gemachten Erfahrungen kann durch einen Impulsvortrag durch 1-2 Personen aus der Initiatorengruppe vorgestellt werden. Hier kann sich ein Dialog zwischen einem Initiator und dem Moderator der School als Grundlage anbieten. (15 Minuten)

Die sich dann anschließende Diskussion bietet den Workshopteilnehmern die Gelegenheit Rückfragen zu stellen. Wie genau gelingt eine solche Kooperation? Ohne Hierarchien und Weisungsrechte? Im öffentlichen Sektor? Zu einem interdisziplinären Themenfeld? Und unterschiedlichen (konkurrierenden) Interessen und Perspektiven? (45 Minuten)

In einem dritten Teil des Workshops erhalten die Teilnehmer – aufgeteilt in Kleingruppen – die Gelegenheit selbst ein Konzept für ihr Projekt zu entwickeln. Und Ihre Ergebnisse mit den angewandten Methoden und Tools vorzustellen und zusammentragen. (30 Minuten)

Sodann sehen Sie hier einige Impressionen der School, das Programm der School 2019 finden Sie im Anhang der Rückmeldung-Email. Das Programm für die Summer School 2020 vom 24.8. bis 4.9.2020 befindet sich derzeit in der Vorbereitung.

 

REFERENT

Jan Nicolai Hennemann

19:00 - 20:30 Uhr Keynote: Prof. Dr. Heribert Prantl

Direkt im Anschluss an den Vortrag von Prof. Prantl findet die Verleihung des Ehrenpreises für besonderes gesellschaftliches Engagement statt. Bleiben Sie dabei.

Freitag, 27.11.2020

16:45 Uhr Begrüßung

17:00 - 18:30 Uhr Keynote Prof. Dr. Holger Bonin

Slot 1: 19:00 - 20:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Fernreise daheim - Von Flüchtlingen, Kulturen, Identitäten und anderen Ungereimtheiten

Nur was man versteht, kann man verändern.
Und was man versteht, das verändert einen.

(Zitat aus Brigitte Heidebrecht, Fernreise daheim, Ludwigsburg 2019, erweiterte Neuauflage 2020)

Seit 2015 engagiert sich die Autorin (die im Hauptberuf Mediatorin, Coach und Supervisorin ist) ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. Seither schreibt sie Geschichten über interkulturelles Verstehen.

Mit Emphatie und Humor beleuchtet sie das Ankommen von Geflüchteten in unserer Gesellschaft. Geschichten, die unter die Haut gehen, Selbstverständliches in Frage stellen, Existenzielles ins Licht rücken - globale Herausforderung, gespiegelt im Alltäglichen.

Konkret und lebendig vermittelt das Buch interkulturelle Aha-Erlebnisse. Ein vielschichtiger Beitrag zu der Frage: Wie schaffen wir das?

 

REFERENTIN

Brigitte Heidebrecht, Autorin, Mediatorin, Supervisorin, Coach

www.brigitteheidebrecht.de, www.verlag-grosse-spruenge.de

Will man/frau als Mediator*in nachhaltig und zukunftsweisend arbeiten können, hilft es zu verstehen, was gerade heute veränderbar ist und wo die Potenziale und wo die Grenzen des eigenen Handelsn sowie der Mediant*innen liegen. An dieses Verständnis wollen wir uns gemeinsam herantasten und dazu zunächst die Komplexität der Welt potenzieren...

Die Welt, in der wir heutzutage leben, arbeiten, streiten und welche wir als "flüchtige Moderne" (Bauman), als "Risikogesellschaft" (Beck) oder aber die VUKA-Welt kennen und beschreiben, hinterlässt immer mehr Spuren auf den menschlichen wie organisationalen Wegen. Der Mensch, der zwischen der Selbstoptimierung und Erschöpfung zerrissen zu sein scheint, gerät in Konflikte, die nicht nur einer individuellen sondern auch strukturellen (hin und wieder gar gesellschaftlichen) Betrachtung unterworfen werden sollen.

Wollen Mediator*innen nachhaltig mit ihren Klient*innen arbeiten können, empfiehlt es sich daher, die eigenen Möglichkeiten und Engpässe zu realisieren, den Kontext des Konfliktes der Mediant*innen zu eruieren und eine Sensibilität für einen ökologischen Umgang mit sich selbst als auch für die Klient*innen zu gewinnen (vgl. Schubert-Panecka 2020).
Ziel der Veranstaltung ist es zum einen, auf die (intrapersonalen wie externen) Einflüsse auf die Haltung und Arbeitsumfeld der teilnehmenden Mediator*innen aufmerksam zu machen. Zum anderen, diese individuell zu reflektieren und zu prüfen, wie Ihre Umgebung Sie beeinflusst, welche dieser Einflussfaktoren Ihnen dienen und wie Sie nachhaltig mental gesund bleiben (können). Nicht zuletzt, um auch Ihre Klient*innen besser nachvollziehen und unterstützen zu können. Dabei werden die Grundideen der erwähnten Soziologen sowie praktisch die Ansätze von
•    Mindsight (Daniel Siegel),
•    Mental Power (Igor Ardoris) und
•    Martial Art, Aikido & Meditation Art (Donald N. Levine)
thematisiert. Diese wurden durch die Referentin in einem transdiziplinär zusammengesetzten und dennoch leicht erlernbaren und verständlichen Modell der Ökologie des Menschen© kompiliert und im Kontext der ICF- Kernkompetenzen übersetzt (vgl. Schubert-Panecka 2018).

 


REFERENTIN

Dr. iur. Katarzyna Schubert-Panecka - international zertifizierte Wirtschaftsmediatorin und Ausbilderin (DACH), Umweltmediatorin (KNE), Business Coachin, Lehrbeauftragte und Trainerin mit einer langjährigen Erfahrung im wirtschaftlichen und akademischen Kontext. Gründerin von Business Mediation & Intercultural Communication (schubert-panecka.eu), Mitgründerin der Forschungsgruppe Mediation (forschungsgruppe-mediation.de) und des Internationalen Netzwerks Elder Mediation, Redaktionsmitglied der Perspektive Mediation und Autorin.

Gesunde Führung - Haltung als Voraussetzung für Konfliktprävention und Unternehmensgesundheit

Wenn Negativenergie von Konflikten durch gesunde Führung in positive Handlungsenergie transformiert wird, kann nachhaltiges Unternehmenswachstum auf Basis einer empathischen Verantwortungskultur gelingen.

Systemische Impulse werden Aspekte der Konfliktprävention aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten:

  • Was erzeugt Stress und Konflikte in Unternehmen?
  • Wenn aus Wut Bluthochdruck entsteht - Konflikte als Stress-Symptome verstehen
  • Konflikt-Prävention und Prophylaxe statt symptomorientierter Maßnahmen
  • Haltung reflektieren - Konkrete Ansatzhebel von gesunder Führung.

Reflektion der Haltung, Bereitschaft zum Perspektivwechsel, Sinnvermittlung und offene Feedbackkultur sind wichtige Ansatzhebel einer gesunden Konflikt-Prävention.

Bei einem systemischen Wandel zum Umgang mit Stress und Konflikten geht es um einen Prozessmusterwechsel des Führungsverhaltens.

Gesunde Führung trägt über die systemische Änderung der Führungskultur dazu bei, dass Mitarbeiter mit Freude, Eigeninitiative und innerer Bereitschaft das leisten, was Ihren Talenten und Potenzialen wirklich entspricht.

Diese Transformation ermöglicht eine zukunftsgerichtete und wachstumsorientierte Unternehmensentwicklung.

REFERENT

Dr. Jörg-Peter Schröder

Mediation im Bereich der erneuerbaren Energien – was macht unsere Haltung als Mediator*innen aus?

Wie beeinflusst unsere innere Haltung den Verlauf der Mediation?

In Großprojekten zur Energiewende haben Mediator*innen mit vielen unterschiedlichen Parteien zu tun. Die Beteiligten vertreten ein breites Spektrum an Interessen (u.a. Bürgeriniativen pro und contra Projekt, Naturschützer*innen, Anwohner*innen, Verwaltungsvertreter*innen und Politiker*innen, Investor*innen).

Sie stammen aus unterschiedlichen Regionen und kommen aus sehr verschiedenartigen Kulturen (politische Ansichten und Überzeugungen, hierarchische Gebundenheiten, Land- oder Stadtmenschen usw.)

Ziel:
Erfahrungsaustausch und herausfinden der eigenen Haltung in verschiedenen Situationen.

Methode:
Workshop mit kleinem Input über Haltung. In diesem Workshop haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Ihre Erfahrungen anhand von 4 Thesen für sich selbst zu überprüfen und mit anderen Teilnehmer*innen auszutauschen.

REFERNTINNEN

Emanuela Boretzki

Wiebke Heider

In der Jetzt-Zeit sehen wir uns mit immer komplexer werdenden Fragestellungen konfrontiert, die uns in unterschiedlichen Lebensbereichen herausfordern. Und das geschieht gleichzeitig, so dass wir abwägen müssen z.B. zwischen Gesundheit und Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität, Erhaltung natürlicher Ressourcen, Bürgerrechten. Dies mündet in die Frage: „Wie erreichen wir unsere Ziele nachhaltig, ohne für einen kurzfristigen Effekt eine spätere Verschlechterung in Kauf zu nehmen?“   

Schlüpfen Sie in die Rolle des imaginären Mediationsteam »Schiedlich + Friedlich + Vernetzt« und erleben Sie in einer imaginären Fallbesprechung, wie Sie mittels der geeigneten Methodik und Werkzeugen diese Herausforderungen annehmen und meistern können.

Unter der Überschrift »Wahrscheinlich hat dieses Modell, diese Simulation gar nichts mit Ihnen zu tun ...«1  sind Sie herzlich eingeladen,
•    die Vorgehensweise anhand der Fallbeispiele aus verschiedenen Lebensbereichen kennenzulernen,
•    nebenbei im notwendigen Umfang etwas zum historischen und theoretischen Hintergrund zu erfahren
•    sich durch einige Modelle bzw. Simulationen zu aktuellen Themen überraschen zu lassen.
Seien Sie gespannt.

REFERENT

Thomas Boeger, Dipl.-Informatiker(univ.), Mediator, DFB-Vereinsmanager B, Beratung für Betriebsräte und Vereine, Schulung, VIS-ANA-SYN®-Gründer u. Kooperationspartner
E-Mail: t.boeger @ visanasyn.de                                                                                                                    
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1 Frei nach Watzke, Ed: „»Wahrscheinlich hat diese Geschichte gar nichts mit Ihnen zu tun ...« Geschichten, Metaphern, Sprüche und Aphorismen in der Mediation“, 2. unveränderte Auflage, 2008, Forum Verlag, Godesberg GmbH, Mönchengladbach

20:30 Uhr – Get together in der „Schein“-Bar mit Wein, Bier, Cocktails, Wasser oder Saft

Die Kongresse des Bundesverbands MEDIATION e.V. leben auch zu einem großen Anteil vom Feiern, vom informellen Austausch, von der Freude, Kolleg*innen in einem anderen Rahmen zu treffen.

Auch virtuell wollen wir diese Möglichkeit bieten und freuen uns auf ein Treffen in der "Schein"-Bar, wo nur scheinbar alles anders ist.

Bringen Sie Getränke und Knabberzeug mit und lernen Sie die anderen Kongressteilnehmer*innen auf eine neue Art kennen. Auch für Nebenräume sorgen wir, falls etwas ruhiger gesprochen werden soll.

Und wer weiß, vielleicht wird sogar getanzt ...

 

 

Samstag, 28.11.2020

10.45 Uhr Begrüßung

11.00 Uhr Keynote Prof. Dr. Mojib Latif

Slot 1: 12:30 - 14:00 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

Ist Mediation bei Machtkämpfen und nationalen Egoismen möglich?

„Der Tag bricht an, wenn du in das Gesicht eines Fremden blickst und darin deinen Bruder oder deine Schwester siehst.“
Chassidisch

Ziele

Dieser Workshop zeigt, dass selbst bei Konflikten, in denen es scheinbar nur um Gier, Eitelkeit, nationale Egoismen, Macht und „Politik“ geht, die Beziehungsklärung der Schlüssel zum Erfolg der Mediation sein kann.

Methodik und Inhalte

Ausgangspunkt des Workshops ist der Erfahrungsbericht über Mediationen in multinationalen Betriebsräten international aufgestellter Unternehmen. In diesen Konflikten warfen sich die Parteien gegenseitig Machtstreben, nationalen Egoismus und „Politik“ vor. Das schien eine überzeugende Interpretation der Situationen zu sein. Der Workshop zeigt, wie - trotz aller Zweifel des Mediators - Beziehungsklärung zu Kooperation führte. Er zeigt, welche konkreten Methoden der Klärungshilfe den Schlüssel zur Transformation boten.

Die Teilnehmenden reflektieren, inwiefern sich diese Erfahrungen auf internationale Konflikte rund um den Klimawandel übertragen lassen.

 

REFERENT

Tilman Metzger praktiziert und lehrt Mediation seit 1985. 2/3 seiner Tätigkeit sind Mediationen in Unternehmen und anderen Organisationen. Seine Überzeugung: Konstruktive Konfliktklärung ist eine Bedingung für unser Überleben als Weltgemeinschaft.

 

Arbeiten ohne "klassischen" Chef:
Die DB Systel auf dem Weg in die Selbstorganisation – Etablierung von Metamediation im Systemdesign einer Organisation im Transformationsprozess

Eine Verankerung von Metamediation im Systemdesign der Organisation unterstützt nachhaltig die Partizipation der Mitarbeiter in ihrer Arbeitsplatzgestaltung, ermöglicht frühzeitige Konfliktprävention, die Etablierung einer neuen Streitkultur im Miteinander, um Unternehmen innovationsfähig und flexibel zu halten und das Lernen der Organisation aus strukturellen Konflikten.

Die DB Systel, der ICT Dienstleister der Deutschen Bahn, erfindet sich gerade neu. Die Firma, die mit Ihrem Innovationslabor „Skydeck“ schon über die Grenzen des Bahnkonzerns hinaus bekannt wurde, hat vor zwei Jahren einen Prozess eingeleitet, der radikaler nicht sein könnte: die Transformation des gesamten Unternehmens mit 5000 Mitarbeitern in eine selbstorganisierte und hierarchiearme Organisation. Inspiriert von Methoden, wie „Management 3.0“ oder „Holokratie“, kamen immer wieder die Begriffe „Vernetzung“, „Wertschaffungskette“ oder „Selbstorganisation“ auf. Oder kurz: Die agile, selbstorganisierte und vernetzte Arbeitswelt - ohne klassischen Chef. Die Verteilung von Führung auf drei gleichwertige Rollen: Product Owner, Agility Master, Umsetzungsteam. Neue Arbeitsformen bringen auch einen anderen Umgang mit Konflikten mit sich war unsere Hypothese – wie kann das begleitet werden, wenn die Klassische Führungskraft nicht mehr das „Machtwort“ spricht? Wie werden Teams darauf vorbereitet, begleitet, geschult? Wie wollen wir in der neuen Arbeitswelt mit Konflikten in und zwischen Teams umgehen? Welche Streitkultur möchten wir im Unternehmen etablieren, um mehr Innovation, also das Ringen um beste Entscheidungen zu ermöglichen und nachhaltige Kulturveränderung zu ermöglichen? Wie begleiten wir Strukturelle Konflikte, die wir erkennen?

Ulrike Blumenschein und Manuela Peter erzählen vom Design und Aufbau eines Betrieblichen Konfliktmanagements als ein wesentliches Systemdesignelement in diesem Transformationsprozess, über Konflikte in agilen Teams, die Bearbeitung struktureller Konflikte, häufige Konfliktmuster und dem Beitrag zur Entwicklung einer Lernenden Organisation. Das „Dialogging“ ist bottom up entstanden und gewachsen und wird vom HR-Management unterstützt. Beraten und begleitet wurden die „Dialogger“ von Zweisicht, einer kleinen Organisationsberatung aus Freiburg. Heute haben sich die internen Konfliktbearbeiter in einer Community of Practise organisiert. Ulrike Blumenschein und Manuela Peter erzählen von diesem Weg, der Vorgehensweise, den Erfolgen, aber auch den Hürden, Hindernissen, Herausforderungen: wie viele gemeistert wurden und wie es sich weiter entwickelt auch und insbesondere in der Zeit der Coronakrise.

 

REFERENTIN

Ulrike Blumenschein

Mediation im Gesundheitswesen unterliegt Besonderheiten und erfordert eine Spezialisierung.


In Institutionen des Gesundheitswesens treffen multiprofessionelle Teams auf emotional belastete Menschen. Die Patientenbehandlung (Leistungserstellung) erfolgt unmittelbar mit den Patienten und ist für sie existenziell. Daraus entsteht ein hoher Verantwortungsdruck. Das Zusammenspiel von Pflege und Medizin ist durch Zeitdruck, Machtungleichgewicht und Krisenmanagement, nicht nur in Pandemiezeiten, oft schwierig.


Im Sinne von „Aus der Praxis für die Praxis“ erhalten Sie einen Einblick in die systembedingten Besonderheiten und Strukturen des Gesundheitswesens sowie deren Wirkung auf erfolgreiche Mediationen.


Im ersten Seminarteil geht es um:
•    Strukturen und Konfliktdynamiken im Gesundheitswesen
•    Grenzen und Möglichkeiten für den Mediationsprozess


Im zweiten Seminarteil blicken wir auf 2 Praxisbeispiele und deren Prozessdesigns, Tools und Techniken, um Mediator*Innen, die Ihr Praxisfeld um dieses spezielle Umfeld erweitern wollen, zu inspirieren. Wir berichten aus:
•    Mediationen mit Ärzten und
•    Teammediationen mit Pflegekräften /mit Praxisteams.


Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und wünschen Ihnen vielfältige Impulse für die Mediation in einem besonderen Umfeld!
 

REFERENTINNEN

Sabine Krause, Diplom-Ökonomin, Mediatorin, Trainerin und Coach mit Basisberuf Arzthelferin berichtet aus langjähriger Mediationspraxis im Bereich Gesundheitswesen (www.KrauseMediation.de)
Regina Tschud (Co-Moderation)

ACHTUNG der Workshop geht bis 14:30 Uhr; Eine verbindliche Anmeldung bis zum 14.11.2020 ist nötig. Bitte an Gisela.Kohlhage @ bmev.de senden – danach gibt es nur noch evtl. Restplätze; für die persönliche Vorbereitungszeit bitte ca. 30 Min. einplanen!)

Was gestern noch richtig war, soll heute falsch sein!? Deutschland hat in 100 Jahren drei komplette Systemwechsel erlebt – und dutzende „kleine Revolutionen“ in Technik, Landwirtschaft und Gesellschaft. Wie geht die Gesellschaft mit den Bedürfnissen der Betroffenen um, und wie verändert sich die Haltung Betroffener zur Gesellschaft? Welche Konsequenzen sind für Mediation und Öffentlichkeitsbeteiligung zu ziehen?


Auf welcher Seite stehst du – und welche Seite verstehst du beim besten Willen nicht?
Am aktuellen Beispiel der Energiewende setzen wir uns mit Positionen, Bedürfnissen und Emotionen auseinander. Verschiedene Energiequellen sind mit Emotionen und Feindbildern verknüpft. Die Auseinandersetzung um die Energieversorgung der Zukunft ist in vollem Gang. Sie betrifft die Lebensgrundlagen und Lebensumstände vieler, auch wenn noch nicht alle Gewinner und Verlierer feststehen.


Arbeitsmethode:
Aus aktuellen Beispielen wurden Lebensgeschichten und technische Grundlagen für 15 verschiedene Rollen konzipiert und auf einen realistischen Beispielstandort bezogen. Der Workshop wird als Rollenspiel einer Mediationssitzung (Themensammlung) durchgeführt, bei Bedarf in zwei parallelen Gruppen. Anschließende Auswertung in Teilgruppen und Diskussion im Plenum.


Rahmenbedingungen:
Für die Diskussion im Plenum sollte Zeit bis 14:30 eingeplant werden. Es ist eine verbindliche Anmeldung bis spätest. 14. November 2020 erforderlich; an heike.paehler@bmev.de. Danach einzelne Plätze auf Anfrage. Die Rollenverteilung erfolgt nach Anmeldung, Teilnahmevoraussetzung ist die Vorbereitung auf die gewählte bzw. zugewiesene Rolle (ca. 1-2 Seiten A4).

 

REFERIERENDE
Matthias Bruhn (bruhn-mediation.de), Dr.-Ing. Energie- & Verfahrenstechnik, Mediator BM®. Über 25 Jahre in der Energiebranche, Projektleiter und Manager, national und international, regenerative und konventionelle Energien. Seit 2015 Mediator und Kommunikationstrainer.

Gisela Kohlhage (mediation-kohlhage.de), MM, anerkannte Gütestelle, Mediatorin/Ausbilderin BM®. Schwerpunkte Trennung, Erbschaft, Teams/Vereine/Gruppen. Projektleiterin „Prävention und Vermittlung demokratischer Streitkultur im Migrationskontext“ (DRK Bielefeld, NRW-gefördert). Geschäftsführerin Participolis GmbH (participolis.eu) (Mediation und Beteiligungsmodelle bei Infrastrukturprojekten).

HEUTE „anders streiten“ lernen
für ein besseres MORGEN
mit dem BMM (Bensberger Mediationsmodell)

Gesellschaft muss sich auf das MORGEN vorbereiten. Wir können nicht früh genug beginnen! Also HEUTE in Kindertagesstätten und Schulen mit ALLEN gemeinsam und einem MODELL FÜR ALLE starten – das BMM !

Vorstellung des Bensberger Mediationsmodells (BMM) PPP

Aufbau: Elementar- Primar- Sekundarbereich - BBS

Struktur: Unterricht - Personal - Organisationsentwicklung

PRAXIS: Gleiche Regeln und Rituale für alle

Intervention: Erst-Hilfe im Streit vorstellen und üben der Schritte 1-5

Prävention: Dialogaufbau im Herzenskreis durchführen GS; Streitgeschichten “Anders streiten“ anspielen SEK

 

Das Bensberger Mediationsmodell wurde Mitte der Neunziger an der Thomas-Morus-Akademie, Bensberg bei Köln unter Günther Braun (langjähriger BM Ausbilder) entwickelt und ist mittlerweile bundesweit vertreten.

Es ist ein evaluiertes und geschütztes Modell für Kindertagesstätten, Schulen und Jugendeinrichtungen.

Es zeichnet sich durch seine immer gleich bleibenden Regeln und Rituale aus, sowohl in der Intervention, als auch in der Prävention.

Diese werden im Workshop mit vielen Praxisbeispielen vorgestellt und dürfen von den Teilnehmer*innen erprobt, mitgestaltet und umgesetzt werden.

 

REFERENTINNEN

Ulla Püttmann, ulla.puettmann @ t-online.de

Liz Mölders, liz @ moelders.name

15:00 - 16:30 Uhr Verleihung des Innovationspreises des Bundesverbandes Mediation e.V.

Mit dem Innovationspreis 2020 zeichnet der Bundesverband MEDIATION innovative Konzepte, Projekte oder Verfahren aus, die der Verständigung in Konflikten dienen. Gerade in diesen gesellschaftlich und umweltpolitisch herausfordernden Zeiten braucht es Dialogräume, Verfahren zur lösungsorientierten Konfliktbearbeitung und Konfliktmanagementsysteme. Der Innovationspreis will Menschen, Organisationen, Unternehmen und Kommunen darin bestärken, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und dies öffentlich sichtbar zu machen.

Der Preis ist mit 2.000,- Euro dotiert.

Es sind viele großartige Nominierungen eingegangen, die wir dann im Menü "Innovationspreis" auf dieser Website vorstellen werden.

Unsere hochkarätige Jury prüft aktuell die eingegangenen Nominierungen und ermittelt anhand von vorab festgelegten Kriterien die Preisträger*innen.

Mehr zum Innovationspreis finden Sie auf folgender Seite.

Slot 2: 17:00 - 18:30 Uhr (für Details den Workshop aufklappen)

"Warum auf den Konflikt warten? Die Stärken der Prävention durch Partizipation"

Eine detailierte Workshopbeschreibung erfolgt in Kürze.

 

REFERENTIN

Prof. Dr. Cristina Lenz und Prof. Sonja Hörster

Herausforderungen und Hürden
Wann kann Mediation im gesellschaftlichen und politischen Kontext gelingen?

Das Klima im gesellschaftlichen Umgang miteinander wird rauer, nicht erst seit Corona. Wie können im Zeitalter der Digitalisierung und sozialer Netzwerke komplexe gesellschaftliche Themen konstruktiv und nicht nur medial bearbeitet werden? Können sich politische Akteur*innen in mediative Prozess begeben? Was ist zu beachten?

Ziel

Wann und wie kann Mediation im politischen Kontext wirken? Welche Hürden gibt es konkret? Wo liegen die Grenzen? Welche Rolle spielt der Faktor Macht? Gibt es besondere "Spielregeln", die beachtet werden müssten?

Inhalte

Dr. Andreas Tietze, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Landes Schleswig-Holstein beschäftigt sich seit Jahren mit Tourismus, Wohnungsbau und Mobilität u.a. Infrastrukturprojekten, wie der A 20 und dem Schienenausbau. Wir sind gespannt auf seine Innensicht!
Als Mitglied der Jamaika Regierung kann er berichten, wie im politischen Alltag mediative Fähigkeiten helfen, die unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen. Was sagt der Praktiker dazu?
Was wird genau gesucht? Werden externe Mediator*innen hinzugezogen?
Als ehemaliger Kommunal- und Kreistagsabgeordneter kennt er auch die Themen, die regionale Bedeutung haben und umzusetzen sind. Als ehemaliger Präses der Synode der Nordkirche hat er die Zusammenlegung von Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zur Nordkirche begleitet. Welche Paralleln und welche Unterschiede gibt es in diesen öffentlichen und gesellschaftlichen Bereichen? Welche Systemgesetze und Mechanismen gilt es für Mediator*innen zu beachten, um erfolgreich zu sein? Wie werden Tabuthemen besprechbar?

Arbeitsmethode

Die Teilnehmer des Forums sollen nach einem Impuls des Referenten und der Fragerunde mit dem Moderator möglichst breit mit in den Dialog einbezogen werden. Gerne stellen die Teilnehmer*innen ihre Fragen und erhalten direkt aus der politischen Praxis die Rückmeldung.

 

RERERENTEN

Sascha Boettcher, LL.M., ehemaliger Vorstand des BM und beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema Mediation und Politik. Aktuelles Projekt mediativer Blick auf die auf die Standortsuche Atomülllagerung in einer Verbandsübergreifenden Arbeitsgruppe.

Dr. Andreas Tietze, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Landes Schleswig-Holstein

 

Auch schon vor Corona waren die starken körperlichen und psychischen Belastungen der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen bekannt. Fachkräftemangel, Zeit- und Kostendruck, misslingende Kommunikation sind einige der ursächlichen Faktoren. In diesem Jahr haben sich die Bedingungen in Klinik und Praxis deutlich verschärft.
Die Erfahrung zeigt, durch gelingende Mediation sowie durch Workshops zu mediativer Haltung, verbessert sich die Zusammenarbeit und wandelt sich das Betriebsklima. Verständnis füreinander ermöglicht eine Zuversicht und Lösungen, die vorher nicht denkbar waren. Oft zeigen bereits kleine Schritte große Wirkung. Dies führt zur Entlastung, zu Zeit- und Kostenersparnis, es erneuert die Bereitschaft zu konstruktiver und damit erfolgreicher Kommunikation. Zufriedene Mitarbeiter und Patienten ziehen neue Bewerber an. Doch wie kann dies in Kliniken und Praxen vermehrt etabliert werden?
Damit beschäftigen wir uns in diesem Workshop in Form eines Themen-Café, interaktiv, in Kleingruppen. Weitere Fragen:
•    Welche neuen Denkansätze und neuen Wege braucht die Mediation im Gesundheitswesen?
•    Wie kann z. B. mediative Haltung bereits in die Ausbildungen etabliert werden?
Die Impulse und Ergebnisse werden in die Fachgruppe Mediation im Gesundheitswesen eingebracht.

 

REFERENTIN
Ute Krämer ist selbständig als Mediatorin BM®, Mimikresonanz®-Trainerin und Coach. Sie sammelte mehr als 25 Jahre Erfahrung in Klinik und Praxis, lebt in Nürnberg und ist im Leitungsteam der Fachgruppe Mediation im Gesundheitswesen
www.utekraemer.com

Wirksam werden: Vom Umgang mit äußeren und inneren Paradoxien angesichts der Klimakrise

Wer sich für die Zukunft unseres Planeten, für Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit engagiert - in Initiativen, Umweltverbänden oder Unternehmen - stößt früher oder später an Grenzen. Durchschlagende Erfolge bleiben aus. Wir arbeiten uns ab an den Widerständen und Leugnungsstrategien unserer Adressaten. Wir können nicht verstehen, warum sie nicht verstehen. Die Beseeltheit, das Richtige zu tun, schlägt um in Ernüchterung, Erschöpfung, Depression.

Auch Spannungen untereinander sind vorprogrammiert. Der gemeinschaftliche Einsatz birgt Konfliktstoff: über das richtige Thema, die politisch einwandfreie Haltung, die erfolgversprechendste Strategie. Nicht selten führen Grabenkämpfe zu interner Schwächung, Spaltung, Selbstzerlegung.

Oder wir schotten uns ab unter Gleichgesinnten, behalten so das Gefühl, Recht zu haben, aber bleiben wirkungslos. Statt zum radikalen Umdenken und Andershandeln, dem "Great Mindshift" (Maja Göpel), beizutragen, verfangen wir uns in alten Mustern gesellschaftlicher Verdrängung und Polarisierung.

Haben wir etwas übersehen? Wie sieht es aus in uns? Woran arbeiten wir uns ab? Was können wir tun, um uns und anderen zu mehr Wirksamkeit zu verhelfen?

Individuelle und kollektive Transformation braucht Transformations-Begleitung.

 

In unserem Workshop berichten wir von unseren Erfahrungen - von Konflikt, Kampf und Scheitern an der "Nachhaltigen Nicht-Nachhaltigkeit" (Ingolfur Blühdorn) - und ersten erfolgversprechenden Angeboten in der Begleitung von "Klimawandlern" in Organisationen und unter Klimaaktivist*innen:

  • Umgang mit internen Spannungen, strategischen Dilemmata und Überforderungsgefühlen durch diskurssensible Konfrontation und Dialogbegleitung

  • Begegnung mit dem eigenen Schatten - Blindstellen, Abwehrmechanismen, (kollektiven) Traumata - durch innere und gemeinschaftliche Prozessarbeit

  • Entwicklung einer neuen Wirksamkeit durch die radikale Anerkennung unserer bisherigen, paradoxen Verstrickungen

Ziel dieser Prozesse ist es, uns kompetenter darin zu machen, wirksame Gemeinschaften zu bilden. Ein wichtiger Schritt ist, uns einander und andere Menschen und Systeme darin zu unterstützen, anzuerkennen was ist und mit den widersprüchlichen und schmerzhaften „Wahrheiten“ der anderen und in uns selbst in einen Dialog zu treten.

 

REFERENTEN

Bernd Fechler

Willibald Walter

"Berufsbezogene Eignungsdiagnostik" als Instrument zur Selbstbestimmung

Gesellschaftlicher Klimawandel im Inklusionsgedanken

Die "berufsbezogene Eignungsdiagnostik" ist im wirtschaftspsychologischen Bereich angesiedelt. Sie wird normalerweise für Einstellungsverfahren von großen Unternehmen genutzt und die Qualität der Durchführung ist mit einer Norm abgesichert, der DIN 33430.

Eignungsdiagnostik auf den Kopf gestellt

Doch was ist schon normal? Mein Name ist Marco Boehm. Als Diplom-Pädagoge und Eignungsdiagnostiker habe ich das Verfahren auf den Kopf gestellt. Obwohl ich weiterhin streng nach den Qualitätsstandards arbeite, habe ich die Menschen mit Bedürfnissen, Wünschen und Zielen in den Mittelpunkt gesetzt. Die Testungen sind zu einem unterstützenden Instrument zur individuellen Teilhabeplanung geworden. Fachkräfte und soziale Dienste können gemeinsam mit den Menschen mit Behinderung auf eine zuverlässige und unabhängige Eignungsdiagnostik zugreifen, um zusammen mit den eigenen Erkenntnissen diese zu stärken und zu erweitern.

Keine Angst vor Testungen

Zunächst muss aufgeklärt werden, was Testungen in diesem Kontext sind. Es sind insbesondere psychometrische, neurologische und handwerklich-motorische Testverfahren. Bei den Begriffen steigt bei vielen Menschen ein kribbeliges Gefühl in der Bauchgegend auf. Die erste Aufgabe, für mich als Eignungsdiagnostikers ist somit, die Angst vor der Testung zu nehmen. Zuvor habe ich zu einer Fragestellung eine sogenannte Testbatterie erstellt, die aus bis zu 30 Einzelverfahren besteht. Zu meinen Vorbereitungen gehören im Vorfeld auch eine Anamnese, sowie die Sichtung von Unterlagen und Diagnosen. Nach Möglichkeit gibt es bereits im Vorfeld ein Treffen mit den Menschen, die getestet werden. Dies nimmt Ängste und entschärft die ungewohnte Situation. Während der Testung gibt es kein Schubsen in kaltes Wasser. Jede einzelne Aufgabe wird erklärt, rückgekoppelt und ausprobiert. Erst nachdem klar ist, dass sie verstanden wurde, wird die Aufgabe durchgeführt.

Anstrengend, unterschiedlich und mit Spaß

Petra hat gerade eine dreistündige 'arbeits- und berufsbezogene Eignungsdiagnostik' absolviert. So heißt die Testung mit vollem Namen. "Ganz schön anstrengend, aber es hat Spaß gemacht", fasst Petra kurz zusammen. Dass eine Testung Spaß machen kann klingt ungewöhnlich, aber Petra erklärt es ausführlicher: "Viele Aufgaben, die oft wie kleine Spiele sind, finden am Computer statt. Manchmal soll ich so schnell wie möglich eine Taste drücken, wenn ein Kreis erscheint. Bei einem anderen Spiel sortiere ich farbige Kugeln in einer bestimmten Reihenfolge. Zwischendurch bekomme ich dann auch Aufgaben, die ich in die Hand nehmen kann. Einen Holzwürfel musste ich so schnell es ging zusammensetzen. Zeichnen, malen, messen, Fragen beantworten – ganz viele unterschiedliche Dinge waren das."

Testzentren – vor Ort und mobil

Die Testungen können mobil durchgeführt werden, sofern die Räumlichkeiten den Qualitätsstandards entsprechen. Eine entsprechende Raumgröße, eine reizarme Atmosphäre und passende Lichtverhältnisse sind dabei in fast jeder Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu finden. Die bekannte Umgebung gibt den Probanden eine weitere Sicherheit bei der Durchführung der Testung. Zusätzlich gibt es zwei feste Testzentren. Da ich der Ansprechpartner für Bildung und Diagnostik bei capito Schleswig-Holstein bin, dem Büro für barrierefreie Informationen, ist dort in Schleswig auch eines der Testzentren. Das andere liegt auf der Insel Sylt bei den Sylter Werkstätten und war der gemeinsame Startpunkt für die moderne Interpretation der Eignungsdiagnostik vor etwa sieben Jahren.

Qualität und Praxisbezug überzeugen

Es muss deutlich gesagt werden, dass die Eignungsdiagnostik nicht einfach in jeder Werkstatt oder jedem Wohnbereich direkt umgesetzt werden kann. Auch bei uns ist sie nach den ersten Jahren in dieser personenzentrierten Umsetzung eine realisierte Vision und abhängig von meinem und dem Einsatz einer Handvoll Förderer. Erst durch die Qualität der Ergebnisse, der ICF-basierten Berichte und den praxisbezogenen Möglichkeiten, die durch die Testverfahren entstehen, hat sich die Haltung und eigene Perspektiventfaltung bei Leistungserbringern und Leistungsträgern entwickelt, sodass wir als objektive Akteure am Markt wahrgenommen und gebucht werden.

Güte der Leistungen nach BTHG-Gesichtspunkten gestärkt

Dabei ist es zukunftsorientiert gedacht, ein Testzentrum als Förderinstrument auf Seiten der Leistungserbringer zu installieren, auch im Sinne der Forderungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Die zuverlässigen, unabhängigen und wissenschaftlich gültigen Testverfahren einer Eignungsdiagnostik dienen dem personenzentrierten Blick mit Assistenz und der Selbstbestimmung. Die Qualität der Leistungen wird gestärkt.

Die Testungen unterstützen dabei mögliche oder unerfüllbare Arbeits- und Berufsvorstellungen klarer zu beschreiben. Sie können aber auch einen besonderen Betreuungsbedarf, zum Beispiel durch distanzgemindertes Verhalten, deutlich definieren oder ausschließen. Impulsdurchbrüche werden differenzierbar, womit Handlungsweisen von außen oder Ansätze zur Selbstregulation den Menschen mit Behinderung helfen und die Fachkräfte entlasten. Unter dem Strich ist die Eignungsdiagnostik ein Förderinstrument, das dem sozialen Dienst und den Fachkräften auf Augenhöhe mit den Menschen mit Behinderung die gemeinsame Zukunftsplanung erleichtert und als unabhängiges Instrument die Qualität der Arbeit erhöht.

Selbstbestimmung und Teilhabe

Wichtig ist jedoch auch der Paradigmenwechsel von Testdiagnostik, der gelebt werden muss. Ich möchte deutlich hervorheben, dass die Aussagen der Berichte nicht "in Stein gemeißelte" Diagnosen und Aussagen darstellen. Eine Eignungsdiagnostik ist Teil eines Prozesses, der dem Leistungsnehmer die bestmöglichen Perspektiven ermöglichen soll. Dabei bleibt die Selbstbestimmung der Entscheidungen im Vordergrund. Testbesprechungen, die immer am Ende eines Testverfahrens stehen, können zum Teil intensiv und für den Moment schwer zu ertragen sein, da objektive Umstände deutlich kommuniziert werden. Letztlich ist meine Aufgabe, wie sie eigentlich für jeden Unterstützer gilt, dass wir gemeinsam eine Teilhabe erreichen. Dies kann oft nur durch Veränderungen aktiviert werden, damit der getestete Mensch erfüllt, zufrieden und vielleicht sogar glücklich lebt. Ein hohes Ziel, doch das darf sich ein Diagnostiker nicht durch Zahlenkolonnen und Statistiken zerstören lassen.

Praxisbeispiel Paul

Zum Schluss noch ein Beispiel aus der Praxis. Der damals 20jährige Paul (Name geändert) wurde nach einem multiresistenten Krankenhauskeim mit Paraplegie und "irreversiblen neurologischen Schäden" in den Sylter Werkstätten aufgenommen. Paul stand kurz vor der Zwischenprüfung zum Bürokaufmann als er erkrankte. Es folgten lange Klinikaufenthalte mit mehrfachen Reanimationen im Verlauf.

Zusammenspiel aller Akteure

Während der Zeit des Berufsbildungsbereiches wurden die geschulten Fachkräfte auf widersprüchliche Verhaltensweisen von Paul aufmerksam. Hier ist es entscheidend ein fachlich gut aufgestelltes Team in allen Bereichen zu haben. Denn Paul hätte auch als "träge" oder "faul" weiter mitlaufen können. Die Eignungsdiagnostik zeigte deutlich (was nicht zu erwarten war) eine gute Gedächtnisleistung. Jedoch waren die Register (der Sinnesreize), um das Gedächtnis zu erreichen und zu speisen zum Teil entkoppelt. Im nächsten Schritt wurden gemeinsam progressive Fördermöglichkeiten gesucht. Neben einem wissenschaftlich basierten Förderprogramm am Computer musste Paul Kaugummi kauen und dabei laut zählen, ausgewählte Handyspiele – auch während der Arbeitszeit – spielen, monotone, wiederkehrende Arbeitsschritte durchführen und das Jonglieren lernen. Alle Handlungen sollten den Aufbau alternativer Registerwege forcieren.

Mit einer hohen intrinsischen Motivation zeigten die Maßnahmen Erfolge. Über differenzierte Aufgaben in der Werkstatt, sowie Außenpraktika wurde eine Arbeitserprobung in einem Berufsbildungswerk durch die Eingliederungshilfe mit unterstützt. Das dortige Ergebnis deckte sich mit unserer Re-Testung. Paul konnte empfohlen werden seinem Wunsch einer Ausbildung zu folgen. Nach der Kostenübernahmeklärung wird er überbetrieblich zum Fachpraktiker für Bürokommunikation ausgebildet, womit er an seine damals begonnene Ausbildung anschließen kann.

Zukunftsweisendes Instrument mit Mehrwert

Nicht immer wird durch die berufliche Eignungsdiagnostik solch dramatisch positiven Teilhabeziele umgesetzt, dennoch ist sie ein zukunftsweisendes Instrument für mehr Klarheit, Transparenz, Förderung und Forderung. Die Eignungsdiagnostik unterstützt bei differenzierten Perspektivwechseln unterschiedlicher Akteure und hilft dabei ein vielschichtigeres Persönlichkeitsprofil gemeinsam mit den getesteten Menschen zu entwickeln. Das ist eine schöne Aufgabe mit einem hohen Mehrwert für alle Beteiligten.

Klimawandel mit Behinderung

Barrierefreiheit ist keine Rampe für Rollstühle, sondern ist eine Frage der Haltung und Inklusion heißt nicht alle gleich zu machen, sondern jeden individuell sein zu lassen. Die plakative Zusammenfassung kann auch von der Diagnostik ausgehen und die Möglichkeit bieten, dass Institutionen und Menschen angeregt werden auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren. Das ist ein gelebter gesellschaftlicher Klimawandel im Sinne des Best-Practice und zugleich noch immer eine Vision, wenn im Großen gedacht.

 

REFERENT

Dr. Marco Boehm

18:45 Uhr – Kongressabschluss und Ausblick auf Zukünftiges

Zum Abschluss des Kongresses laden wir alle Teilnehmenden recht herzlich ein, auf die zurückliegenden Tage und Workshops zu blicken und daraus Energie, Kreativität und neues Wissen für die Zukunft mitzunehmen.

 

Ihre Ansprechpartner*in für Fragen zum Programm...

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Astrid Pulter oder an Jörn Valldorf.

Wir freuen uns auf Ihre Denkanstöße.